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Abschlussbericht des Kirchenkreises Aurich

Nachricht 14. April 2011

über das Projekt „Kloster Ihlow“

1. Vorhaben. Das Ihlow-Projekt

Im Herzen Ostfrieslands erhebt sich ein einzigartiges Gebäude: Stahl und Licht bilden mitten im Ihlower Forst die Kirche des untergegangenen Zisterzienserklosters Schola Deï (Schule Gottes) nach. Fast 70 Meter in die Länge und gut 45 Meter in die Höhe streckt sich die skelettartige Nachbildung, die sogenannte Imagination. Dazu gehört der „Raum der Spurensuche“.
In der 500 Quadratmeter großen Ausstellungsebene gibt es einen neuen Altar. Zudem wird dort die Geschichte des Ortes dokumentiert. Von der Gründung bis zu ihrer Zerstörung gehörte die Ihlower Gottes-Schule zu den bedeutendsten Ordensniederlassungen an der deutsch-niederländischen Küste (1228-1529). Träger der heutigen „Stillen Räume Ihlow“ – errichtet zwischen 2005 und 2009 – ist der „Klosterverein Ihlow e.V.“ (gemeinnützig,  konfessionell nicht gebunden). Mit einem Programm aus Märkten, Ausstellungen und Führungen wollen dessen Mitglieder vor allem an die kultur-historische Bedeutung des einzigen ostfriesischen Zisterzienserklosters erinnern. Kooperationspartner sind die pol. Gemeinde Ihlow und der Ev.-luth. Kirchenkreis Aurich. Am 10. Mai 2009 ist die Klosterstätte durch Spitzenvertreter aus Politik, Kultur und Kirche offiziell eröffnet worden.
Für die Startphase des Ihlow-Projekts (April 2008 bis März 2011) hatten die Kooperationspartner vereinbart, einen Pastor im Umfang eines halben Beschäftigungsauftrags anzustellen. Dessen Verantwortungsbereich wurden neben geistlichen auch konzeptionelle Aufgaben – wie Fundraising, Veranstaltungsplanung und Öffentlichkeitsarbeit (Geschäftsführung) – zugeordnet. Von der Arbeit des Stelleninhabers erwartete man, dass sie zur Steigerung des Bekanntheitsgrades der Klosterstätte im Raum Ostfriesland führt. Zudem sollte ein eigenes spirituelles Programm entwickelt und aufgebaut werden. Mittel für die Projektstelle kamen vom Innovationsfonds der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers sowie vom Kirchenkreis Aurich und der pol. Gemeinde Ihlow. Nach der dreijährigen Startphase sollte die Position vollständig durch Sponsoren und die Projektpartner finanziert werden.

2. Ergebnisse. Das Ihlow-Phänomen

Die Klosterstätte gehört heute zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten in der Weser-Ems-Region. Die lokalen Tageszeitungen und Wochenblätter – vor allem im Dreieck Aurich-Emden-Leer – berichten beinahe wöchentlich über Veranstaltungen an den „Stillen Räumen Ihlow“. Auch in Ferienmagazinen, Reiseführern sowie der wachsenden Zahl an Ostfriesland-Krimis hat die Klosterstätte ihren festen Platz gefunden. Im Rahmen der dreijährigen Startphase des Ihlow-Projekts ist es darüber hinaus gelungen, die Klosterstätte als einen Ort mit eigener geistlicher Prägung und Relevanz für Ostfriesland ins Bewusstsein zu rücken. Aktuelles Beispiel: die Publikation eines Andachtsbuchs mit dem Titel „Ihlow-Brevier. Gebete, Gesänge, Geschichten zwischen Himmel und Erde“. 215 Seiten stark, mit Texten prominenter Autorinnen und Autoren wie Benediktinerpater Anselm Grün oder Landesbischof Ralf Meister – vor allem aber mit Beiträgen von Menschen aus der Region. Innerhalb von vier Wochen ist die erste Auflage in Höhe von 1.300 Exemplaren bereits vergriffen gewesen.
Zum geistlichen Veranstaltungsprogramm gehören Erlebnisführungen für Konfirmandengruppen und Schulklassen, Konzerte, außerordentliche Gottesdienste sowie die regelmäßigen Wochenschlussandachten mit dem Ihlow-Gebet. Am Jugendkreuzweg an Karfreitag, der Osternacht oder den Taizé-Feiern nehmen weit über hundert Jugendliche und Erwachsene teil – deutlich mehr als zu vergleichbaren Feiern in den Ortsgemeinden. Keine gewaltige, aber eine erstaunliche Zahl. Denn wer an den „Stillen Räumen Ihlow“ einen Gottesdienst besuchen will, der muss sich gezielt auf den Weg machen. Zunächst muss er oder sie eine längere Anfahrt zurücklegen, dann einen Fußweg von rund 15 Minuten durch den Ihlower Forst. Die Klosterstätte ist keine Citykirche, sie liegt außerhalb von Stadt und Dorf.
„Raum der Spurensuche“ heißt der Ausstellungsbereich an der Klosterstätte. In der offiziellen Bezeichnung klingt viel von dem an, was an den „Stillen Räumen Ihlow“ geschieht. Besucherinnen und Besucher gehen hier tatsächlich auf eine Spurensuche – in der besonderen Geschichte des Ortes und in der eigenen spirituellen Biografie. Das zeigt sich vor allem in den
Anliegen, die Jugendliche und Erwachsene hier dem Gebetsbriefkasten anvertrauen. Notizen von großer Intimität. Sie stellen die Sinnfrage, bitten um Gottes Segen für Sorgen sowie Sehnsüchte. Jeden Freitagabend werden alle Anliegen in die Fürbitte beim Ihlow-Gebet aufgenommen.
Architektur und Atmosphäre der Ihlower „Licht-Kathedrale“ lösen etwas aus. Sie lassen viele Besucher ganz neu nach dem Himmel fragen. Dieser Ort ist also tatsächlich – trotz seiner überwiegend kultur-touristischen Ausrichtung – so etwas wie ein spiritueller Leuchtturm. In seinem Lichtkegel lassen sich Spuren Gottes wieder erkennen, die im Dunkel einiger Lebensläufe aus dem Blick geraten waren.
Nicht gelungen ist hingegen, in den zurückliegenden drei Jahren eine alternative Finanzierung der bisherigen Projektstelle über Fundraising und Sponsoren aufzubauen. Das liegt vor allem daran, dass allein schon das Veranstaltungsmanagement, die Öffentlichkeitsarbeit und die Implementierung eines eigenen spirituellen Programms für die Klosterstätte den Beschäftigungsumfang der Projektstelle weit überschritten haben. Seit Ablauf der Startphase wird diese nun in Form einer Beauftragtentätigkeit fortgeführt. Zum Aufgabenbereich gehört jetzt ausschließlich der Themenbereich Spiritualität samt der damit verbundenen Öffentlichkeitsarbeit. Die Finanzierung geschieht vollständig aus dem Haushalt des Kirchenkreises Aurich.

3. Empfehlungen. Die Ihlow-Formel

Die „Stillen Räume Ihlow“ sind ein Publikumsmagnet. Jede Saison kommen weit über 15.000 Menschen an die Klosterstätte. Dieser Erfolg ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen:
Veranstaltungsprogramm: Das Jahresprogramm an der Klosterstätte ist so aufgebaut, dass neben Bewährtem viele neue Angebote darin zu finden sind. Es setzt für bereits dagewesene Besucher genügend Anreize, wieder zu kommen. Und es macht potentielle Zielgruppen neugierig, dass sie diesen besonderen Ort unbedingt kennen lernen wollen.
Öffentlichkeitsarbeit: Damit die einzelnen Angebote an der Klosterstätte ihr Publikum finden, werden sie regelmäßig über die Pressearbeit individuell beworben. Bei den spirituellen Veranstaltungen beispielsweise macht es sich deutlich bemerkbar, wenn eine Vorabberichterstattung stattgefunden hat.
Ehren- und Hauptamt: Über das Jahr finden an der Klosterstätte mehr als 450 Führungen statt, drei große Märkte, mehrere Ausstellungen, bis zu zehn Konzerte, ebenso viele Erlebnisvormittage für Jugendgruppen und Schulklassen, sechs außerordentliche Gottesdienste, über 60 Andachten und noch vieles mehr. Gestemmt wird diese Herausforderung durch etwa 65 ehrenamtliche Mitarbeiter. Mit diesem großen Kreis eng verzahnt sind inzwischen drei Hauptamtliche, die von der pol. Gemeinde Ihlow, der Ländlichen Erwachsenenbildung Ihlow (LEB) sowie dem Kirchenkreis Aurich mit Tätigkeiten an der Klosterstätte beauftragt sind.
Drei-Säulen-Architektur: Die „Stillen Räume Ihlow“ und das bei ihnen angesiedelte Jahresprogramm ruhen auf drei Themen-Pfeilern. Diese stehen nicht nur vereinzelt nebeneinander, sondern tragen und prägen manche Veranstaltungen gemeinsam4: Umwelt, Geschichte und Spiritualität. Die Mischung aus miteinander korrespondierenden und kompatiblen Themenfeldern bildet das Fundament für die Klosterstätte. Auf ihm entsteht und entwickelt sich ein besonderer Dreiklang, von dem sich viele Menschen angezogen fühlen. Für die Zukunft ist die Kooperation von Klosterverein, Gemeinde und Kirchenkreis von entscheidender Bedeutung.

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